Schloss Hohenaschau
Hohenaschau lässt alte Ritterträume
schwelen.
Ich vergesse immer gern, wie jung die Architektur ist. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Der aufragende Stolz von Hohenaschau scheint viel älter. Man denkt an Ritterzeiten. Es
hat mich stets ein wenig traurig gestimmt, dass die großen Wittelsbacher nur den
schwachen Hügel von Wartenberg und die Habsburger bloß das kleine Haus in der Schweiz
als Herkunft vorweisen konnten. Beides ist nichts im Vergleich zur Geste von
Hohenaschau.
Eine solche Burg stellte sich mein Knabenhirn für die Herkunft der großen Geschlechter
vor. Welch ein Platz: Mitten im Tal der Fels, Berge links, Berge rechts, prächtiger Wald
ringsum, weißblauer Himmel darüber. Die Geschichte ist alt. Älter als der heutige Bau.
Das Gebiet um den Chiemsee und das Priental gehörte nach der Christianisierung der Bayuwaren dem Bistum Salzburg. Die Vogtei wurde um 1158 vom Salzburger Erzbischof an die Grafen von Falkenstein-Neuburg übertragen, deren Stammburg bei Flintsbach am Inn lag. Graf Sibotto von Falkenstein ernannte seine (vermutlichen) Verwandten, die Brüder Alhardt (oder Arnold) und Conrad von Hirnsberg zu seinen Ministerialen und gab ihnen das Gebiet um den westlichen Chiemsee sowie das obere Priental zum Lehen. Die beiden Brüder erbauten sich zwischen 1165 und 1170 im Priental eine Burg als Verwaltungssitz, nannten sie "Hohenaschau" nach dem damals schon bestehenden Ort Ascove (deutsch: Eschenau) und nahmen auch selbst diesen Namen an: Arnold und Conrad de Ascove. Die untere Hälfte des ehemaligen Wehrturms, die Grundmauern der Burg sowie Teile der Umfassungsmauer stammen noch aus dieser Zeit.
Den mächtigen Grafen von Falkenstein
gehörte Aschau im 12. Jahrhundert. Als ihre Macht brach, fiel es an die ellbogigen
Wittelsbacher. In der Stauferzeit erschloss sich dem Sitz die Herrschaft über das ganze
Priental. Nach dem Geschlecht der Aschauer kamen ab 1328 die Mautner
von Burghausen in den Besitz der Burg, ihnen folgten um 1374 die Freyberg,
ab 1610 das Geschlecht der Preysing. 1853 wurde die Burg Hohenaschau das
erstemal in ihrer Geschichte verkauft. 1875 kam der gesamte Besitz durch
Kauf in die Hände des Freiherrn von Cramer-Klett, der die Burg 1942
wieder veräußerte. Heute noch ist Hohenaschau eine der größten und
bedeutendsten Höhenburgen Oberbayerns. Ihre Ausmaße betragen etwa 135
mal 32 Meter.
Die reichen Herren von Freyberg, ein schwäbisch-fränkisches Geschlecht (von 13741608), das altadelige Ministerialengeschlecht derer von Preysing (von 16081853) und später der Industriebaron von Cramer-Klett (von 18741942) waren die wichtigsten Burgherren. Alles davor und dazwischen und danach kann man getrost vergessen.
Zwei Burgherren von Hohenaschau fallen besonders auf: Der eine ist Graf Max II. von
Preysing. Er war ein bedeutender Mann am Münchner Hof unter den Kurfürsten Ferdinand
Maria und Max Emanuel, war kurfürstlicher Oberstallmeister, Obersthofmarschall,
Oberstkämmerer, Obersthofmeister und zuletzt gar Landesadministrator von Bayern.
Der hohe Herr musste nur den Finger schnakeln, schon waren beste oder wenigstens zweitbeste Handwerker und Künstler zur Stelle. So entstand Prunk in Stuck und Holz und Farbe, dessen Überreste heute noch staunen lassen. Hier in Hohenaschau galten die Formen italienischer Architekten und Stukkatoren und die Spielereien Münchner Hofkunst. Das spürt man nicht nur im Schloss , sondern auch in den Kirchen ringsum, in Niederaschau, Sachrang und Grassau.
Die Preysing starben aus. An der Südwand der
Pfarrkirche in Prien steht ein merkwürdiges Grabmal. Ein gusseisernes Monument, 3 Teile
aufeinandergesetzt und zusammengeschraubt, auf einem Sockel aus Rotmarmor. Das Material
erinnert an die Wirkstätte, die Worte an die Herren: Familienbegräbnis der Grafen von
Preysing auf Hohenaschau.
Den anderen unübersehbaren Herrn auf Hohenaschau, den letzten bedeutenden Wohltäter, den Freiherrn Theodor von Cramer-Klett, lobt ein stattlich gedachtes, aber doch etwas schäbig gewordenes Denkmal, ein Stück hinter dem Brauhaus, nah beim Parkplatz. Er hätte wohl mehr verdient und einen besseren Ehrenplatz.
Er hat dem Tal noch einmal Glanz und Hoffnung gegeben. Er hat in Aschau der Kirche den zweiten Turm geschenkt, er hat die Eisenbahn nach Aschau ausgedacht und auch zum großen Teil selbst bezahlt. Er hat die Kleinindustrie im engen Tal gedacht, er, der Großindustrielle aus Nürnberg. Ein Mann mit Willen und Maß.
Mit seinen Herren hatte Aschau meist Glück. Dennoch verging der Glanz; auch
Hohenaschau ist unter die Räder gekommen, leergekauft, dem Gemeinnutz überschrieben. Ein
Relikt aus den großen Zeiten des Adelsstandes im bayerisch-herzoglichen und
kurfürstlichen Land. Hohenaschau ist heute bloß noch ein Schauobjekt. Von außen ein
wunderschönes Geschichtsbuchbild. Das hohe Schloss gibt dem Tal zwischen Scheibenwand und
Zellerhorn einen unvergleichlichen bayerischen Gestus.
Stammsitz der Herrschaft Hohenaschau aus dem 12.Jahrhundert. Besichtigung (mit Führung): Mai bis September jeweils Dienstag bis Freitag 9.30, 10.30 und 11.30 Uhr (Juli und August halbstündig). Im April und Oktober Besichtigung nur donnerstags.